Ganzheitliches Verstehen

Ganzheitliches Verstehen zeichnet sich als besondere Herangehensweise an Inhalte aus. Auf diese Weise liefern gängige Praktiken in Berufs- und Arbeitswelt Hinweise zum Verständnis der Aufrechterhaltung des Ungleichgewichts. Im Unterschied zu sowohl wirtschaftlich-ökonomischen als auch anderen spezifischen Herangehensweisen wird das Vorgehen nicht von speziellen Interessen geleitet. Auch allgemeine Betrachtungen sind von Bedeutung. Ganzheitliches Verstehen geht mit erweiterten Reichweiten einher. Gängige Praktiken in Berufs- und Arbeitswelt müssen nicht weiter isoliert voneinander betrachtet werden:  

  • Aktuelle Unternehmensstrukturen sehen Trennungen und Begrenzungen in abgetrennte Produktions- und Arbeitsabteilungen vor.
  • Tätigkeiten und Arbeitsinhalte werden von speziell ausgebildeten Arbeitskräften ausgeübt.  
  • Modularisierte Ausbildung und allgemeine Hinwendung zum Detail sind Standard. 
  • Faktenwissen ist gefragt und nimmt im Bildungsverständnis eine Schlüsselposition ein. 
  • Der Einfluss von Experten und Expertentum nimmt zu. 
  • Die Transparenz jeglicher Angestelltentätigkeiten wird eingefordert (Arbeitnehmerseite).
  • U.a. bleibt die Einsichtnahme in Finanzbücher und Tätigkeiten der Unternehmensführung verwehrt. 
  • Weiterbildung und Qualitätsmanagement sind ausschließlich für Angestellte und Arbeiter vorgesehen.
  • Extrabehandlung der Unternehmensführung und der Verweis auf Verantwortung. 

 

Ganzheitliches Verstehen unterscheidet sich von üblichen Herangehensweisen bzw. es werden die üblichen Grenzen alltäglicher Inhalte überschritten. Ziele werden nicht direkt angestrebt, sondern Voraussetzungen und insbesondere Grundlagen fällt die Aufmerksamkeit zu. Diese Herangehensweise macht es zum anderen erforderlich, dass alle oder grundlegende entsprechende Facetten einbezogen werden. Grundlegende Einsichten und alle relevanten Facetten des Handels sind erforderlich, um das Ungleichgewicht erfassen zu können. Erst abschließend werden Ungerechtigkeit und Verbrechen als Folge verstanden. 

 

Am Schicksal von aktuell einberufenen Ethikkommissionen zeigt sich, dass grundlegendes Verstehen auf zwei wesentlichen Aspekten basiert. Einerseits bedarf es der Fähigkeit zu verstehen, sich weder in Interessen und der Welt zu verlieren. Zudem bedarf es grundlegender Einsichtnahme, um ein Unternehmen überhaupt im Ganzen wahrnehmen zu können. Auch als Mitglieder von Kommissionen sind Personen an Interessen, persönliches Streben und Sorgen gebunden. Notwendigerweise muss eine Ethikkommission auch dann scheitern, wenn entscheidende Facetten nicht einbezogen werden. Erst wenn insgesamt keine ethisch-moralischen Flecken auf der Karte des Gesamtunternehmens mehr vorhanden sind, macht das Einberufen derartiger Untersuchungsorgane Sinn. Da aktuell allenfalls Produktion und Vertrieb zum Inhalt der Untersuchung gemacht werden, macht der Versuch, ethisch-moralische Standards umzusetzen, als solcher keinen Sinn. 

 

Alltägliche Auseinandersetzungen und Kämpfe zielen engagiert direkt auf die Abschaffung von  Ungerechtigkeit ab. Ganzheitliches Verstehen bedeutet, sowohl jene Inhalte von Diskussionen, Nachrichten als auch Themenkomplexe und Ungerechtigkeit als Folgen von grundlegenden Missständen zu verstehen.

Entsprechend der alltäglichen Herangehensweise erregen die Folgen von grundlegenden Missständen und nicht die grundlegenden Missstände selbst immer wieder die Gemüter. Allgemein spielt sich Leben innerhalb dieser Folgen des Ungleichgewichts ab. Personen sind ebenso den Folgen ausgesetzt, wie es in der Welt keinen Ort frei von den Folgen des Ungleichgewichts gibt. Der Wunsch nach umgehenden Veränderungen und das Streben nach Zielen ist verbreitet. Von diesen Zielen ausgehend, ist grundlegendes Hinterfragen kaum möglich. Auf rationale Analysen und Bestandsaufnahmen folgen bereits Veränderungswege. Dabei wird auf bewährte Vorstellungen, Wissen und Praktiken zurückgegriffen. Insgesamt werden Zukunftspläne keineswegs unbeholfen entworfen. Während die Ausrichtung der Veränderungsstrebungen konkret auf „etwas“ abzielt, finden jedoch grundlegende, der aktuellen Situation vorangehende Zusammenhänge, nicht anders als bei dialektischen Prozessen, keine Beachtung. 

 

In entsprechenden Situationen sind die Personen vorab aufeinander bezogen. Grundlegende Abhängigkeitsbeziehungen legen Personen und Situation dergestalt aus, dass anschließend für den Träger der Rolle bereits das Schicksal vorbestimmt ist. Auf diese Weise profitiert der größte Teil der Menschen von dem Ungleichgewicht nicht und nimmt trotzdem das Los an. Indem nicht mehr nach der grundlegenden Beziehung gefragt wird, sondern mitempfunden wird, ist bereits grundlegendes Verstehen unmöglich. Die Person nimmt das Rennen, ohne zu fragen, wer da eigentlich gegeneinander antritt, an. Schließlich wird mit den anderen mitempfunden und zugleich hoffnungslos gegen die vorprogrammierte und nunmehr erlebte Ungerechtigkeit gekämpft. Durch diese vorangegangenen Weichenstellungen ist die grundlegende Ebene bereits verloren. die grundlegende Ebene ist  verloren. Mitempfindend sind vergleichbare Beispiele von ähnlichen Vorfällen gefunden.  

 

Auch ein Perspektivwechsel reicht nicht über die angenommene Abhängigkeitsbeziehung hinaus. Kein Plan, keine Technik oder Handlung kann überhaupt zur Veränderung der angenommenen Identifikation beitragen. Das grundlegende Ungleichgewicht gestaltet den Alltag, der sich ausschließlich in den daraus folgenden Erlebnissen abspielt. In den Grenzen vollzieht sich wissenschaftliche Praxis und ist auch jene vermeintlich wissenschaftliche Objektivität begrenzt.

Entsprechend seiner Vorstellungen und Erklärungen fühlt sich der, immer schon mit diesen Umständen konfrontierte, Mensch verstanden. Indem Verhaltensmuster und Schemata besser verstanden werden, trägt das Wissen zur Verbesserung von Behandlungspraktiken bei. Menschen werden für ein Leben in jener Ungerechtigkeit fit gemacht. Solange das grundlegende Ungleichgewicht nicht verändert wird, profitieren insgesamt die wenigen Nutznießer von derartiger Optimierung.

Insbesondere das Prinzip der Gewinnmaximierung versetzt die gesamte Arbeitswelt in einen Zustand von Stress und Druck. Statt das Grundprinzip zu hinterfragen, werden Programme konstruiert, die das Erlernen des Umgangs mit Stress erleichtern. Derartige öffentliche Themen schlagen Wellen, ohne der Situation und dem Prinzip der Gewinnmaximierung auf den Grund zu gehen. Abertausenden Stimmen wird Raum zur sogenannten Selbstdarstellung gegeben. Betroffene und Interessierte interviewen sich gegenseitig. Wenn es gelingt, alle Arbeiter der Welt zu vereinen, kreisen engagierte Forderungen um Folgeprobleme, deren Lösung jenen Wenigen gar in die Hände spielt. Solange grundlegendes Verstehen außen vor bleibt, unterstreicht auch diese  Positionierung die Abhängigkeitsbeziehung. Immer schon haben Menschen sich angepasst und für bessere Umstände gekämpft. Es ist an der Zeit, dass sich der Mensch an jene Umstände und Folgen des Ungleichgewichts nicht weiterhin anpassen sollte. Es ist an der Zeit, die Umstände grundlegend zu hinterfragen! 

 

Gänzlich anders vollzieht sich grundlegendes Verständnis, das Blick über den Tellerrand hinaus öffnet. Ausgangspunkt der Betrachtungen sind grundlegende Missstände und nicht die nachfolgenden vielen Gesichter der Ungerechtigkeit. Durch diese neue Betrachtung wird grundlegende Abhängigkeit, jene Kette um den Hals, wird ersichtlich. Diese neu gewonnene Einsicht kann nicht einfach abgelegt werden. Zugleich kommt dann kein Mensch mehr auf die Idee, die Abhängigkeit wieder auszublenden, und wird sich nicht erneut in der Kette von Zielen verlieren. Selbstverständlich wird jene entgegengesetzte „Ausrichtung“ beibehalten. Während einstiger Vorstellungs- und Gesprächsrahmen den wenigen Nutznießern entsprach, bekommt jetzt auch die Frage, ob es das bis dato gelebte Leben tatsächlich gewesen sein kann, eine neue Qualität. Weder Schicksal noch Los der Menschen und auch die Anzahl der wenigen Nutznießer sind zufällig. Während Mitleiden auch ein Einfügen in die Abhängigkeit bedeutet, wird jetzt andererseits festgestellt, dass die Gewinne als solche auch für den größten Teil mehr als ausreichend sind. 

 

Jene Einsichten und grundlegende „Ausrichtung“ verlieren sich nicht in den Inhalten bzw. weit verbreiteten und bereitgestellten Auslegungen. Das aktuelle Beispiel von Risiko- und Spekulations-geschäften verdeutlicht das Vorgehen. Von Interesse sind nicht die speziellen Inhalte, wenn entgegengesetzt gefragt wird. Herausgearbeitet wird jener eine, einzige Gesprächsrahmen, jene als einzige gültig etablierte Anschauung. Normalerweise ist auch hier die Verantwortungsübernahme entsprechend der Darstellung der Geschäftsführer Ausgangspunkt. Da grundlegende Zusammenhänge von diesen niemals zum Inhalt gemacht werden, sind diese in den alltäglichen Inhalten auch nicht zu finden. Entsprechend bewegen sich auch kontroverse oder oppositionelle Perspektiven in diesem einen Rahmen. Jegliche politische Ausrichtung stimmt dieser Betrachtungsweise zu. In üblichen Gesprächen über Risiko- und Spekulationsgeschäfte haben üblicherweise die Folgen der Risikobereitschaft Bedeutung. Dieser Normalität liegt das klassische Verständnis von Handel zu Grunde – das, für normal gehalten, nicht wirklich in Frage gestellt wird. Lediglich jener fragliche Ausschnitt der Gesamtsituation ist zur gesamten Welt bestimmt worden. Allein das Verständnis jener Wenigen ist maßgebend.

Risikobereite Entscheidungen der Geschäftsführung liegen dieser Wirklichkeit zu Grunde. Dieses fragliche Verhalten wird, wie andere Missstände, konsequent ausgeklammert und mitunter verleugnet. Im Alltag wird das natürliche Verständnis von Handel und die Betrachtung der Situation auf den Kopf gestellt: Von Arbeitnehmern wird erwartet zu lernen mit dem Risiko umzugehen. In den Medien verlieren Menschen dahingehend ihren Kopf, dass sie, nach ihren Zielen strebend, die eine Betrachtungsweise nicht in Frage stellen. 

 

Weder kann es eine Geschäftsführung untersagen, noch ist es allgemein verboten, die  Risikobereitschaft der Geschäftsführung zu hinterfragen. Solange die Menschen allerdings mitmachen, hat keine Geschäftsführung einen Grund, derartige Betrachtungen und Inhalte zu thematisieren. Allgemein stellt die Ungleichheit allerdings einen Grund dar, die Hintergründe unbedingt zu Inhalten der öffentlichen Diskussion zu machen. Grundlegendes Verständnis braucht keinen Zuspruch durch die Geschäftsführung und ist entgegen der Analysen der Risiko- bzw. Krisensituation ausgerichtet. Die Fragen nach Grundzusammenhängen stellen auch die Notwendigkeit des Risikos überhaupt in Frage. Kurzerhand wird die bis dato herausgehaltene Geschäftsführung als Inhalt in die Gespräche einbezogen. Hierbei handelt es sich  um entscheidende Facetten einer Gesamtbetrachtung.  Immer schon waren jene Welten, in denen sich Pläne, Ziel und auch Problemlösungsbestrebungen vollzogen haben, durch wirtschaftliche Interessen anderer ausgelegt. Die neuen, erweiterten Reichweiten öffnen diese grundlegende, für ganzheitliches und ethisches Verständnis relevanten Zusammenhänge. Bis dato war ein aktuelles Thema von eigenem und öffentlichem Interesse. Erweiterte Betrachtungen über jenen normalen, einzigen Gesprächsrahmen hinaus zeigen die Grenzen jener thematischen Herangehensweise an. Jenseits der lediglich thematisierten Oberfläche werden auch Eigeninteresse und Gewinnstreben einbezogen. 

 

Über die Grenzen betriebswirtschaftlicher Betrachtungen hinaus öffnet der erweiterte Fokus der Gesamtbetrachtung schließlich einen vernünftigen Gesprächsrahmen. Wirtschaftliche Betrachtungen stellen nur noch eine unter vielen Facetten einer ganzheitlichen Betrachtung dar. Jenseits dieser bisher insgesamt unzureichenden Betrachtung wird Verstehen überhaupt erst möglich. Dass grundlegende Informationen hingegen verschleiert werden, verhindert grundlegendes Verstehen. Indem lediglich spezielle Interessensbereiche und die Fokussierung von Leistungsaspekten begünstigt werden, hat sich ein einseitiges Verständnis von Handel durchgesetzt. Die Reproduktion des Ungleichgewichts findet keine Beachtung. Derartige Einflussnahme bewegt sich zwischen unzureichender Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, unzureichender Verantwortungsübernahme und Machtmissbrauch. Es gibt keinen Grund allgemeine Informationen über das Unternehmen zu verschleiern. Allgemein wird wesentliches und grundlegendes Verstehen mitunter verhindert. Die Satzung eines Unternehmens stellt den entscheidenden grauen Flecken auf der ethisch-moralischen Landkarte dar.