Blinde Flecken des klassischen Verständnisses von Handel – Ethik

Ganzheitliches Verständnis von Handel zeichnet sich durch die Integration aller Facetten des Handels aus. Da jegliche Facetten Beachtung finden, wird unethischer Handel als solcher erkannt und kann ausgeschlossen werden. Handel wird insgesamt als Gesamtprozess und zugleich als Teil des Alltags verstanden. 

Die staatlich-rechtliche Einflussnahme verändert sich, insbesondere seit den 60er Jahren. Entscheidende Einflussnahmen auf Gesetze sind politischen Veränderungen zu verdanken. In mitunter bis dahin wenig beachteten Lebensbereichen kommt es zu veränderten und neuen gesetzlichen Regelungen. Privat- und Eherechte werden verändert und Gleichstellungsrechte ausgebaut. Ausgangspunkt ist das Engagement von Menschen, die öffentliches Interesse wecken. In der Gegenwart vollziehen sich das gesamte Alltagsleben und der gesamte Handel in einem ausgebauten, komplexen juristischen Rahmen.  

Während Handel insgesamt rechtsstaatlicher Kontrolle unterliegt, steht ein ganzheitliches Verständnis von Handel aus. Diverse Facetten des Handels stellen ethische Grauzonen dar. Dies betrifft nicht die Aufgabengebiete der Angestellten, die sich durch transparente Darstellung auszeichnet. Sowohl firmenintern als auch in die Öffentlichkeit getragen, werden die Tätigkeiten der Angestellten in einen besonderen Fokus gerückt und kontrolliert. Allerdings werden relevante Facetten des Handels der Einsichtnahme entzogen. Auf diese Weise ist die Möglichkeit ethisch-moralisch zu beurteilen insgesamt unterbunden. Sowohl die Einsichtnahme in die Festlegung  der Gewinne als auch die Einsichtnahme in die komplexen Tätigkeiten der Geschäftsführung werden wohlweislich verschleiert oder gar verhindert. Während diese Facetten des Handels juristischer Gesetzgebung unterliegen, bestehen unabhängig davon trotzdem jene ethischen Grauzonen. Die grundlegende Ausrichtung des Unternehmens stellt also einen ethisch-moralischen blinden Fleck dar.  

 

Meinungsfreiheit stellt das Herzstück der Demokratie dar, die als solche im Dienste des mensch-lichen Lebens steht. Handlungsfreiheit stellt das Herzstück menschlichen Lebens überhaupt dar. Nehmen Politik und Staat auf die Gestaltung des Lebens oder eines Unternehmens Einfluss, wird die Handlungsfreiheit durch Überregulation beschnitten. Grundlegend werden Freiheiten bedroht.  Die Gestaltung eines Unternehmens ist weder eine politische noch eine Frage gesetzlicher Regelungen. Lediglich ein totalitärer Staat maßt es sich an, Unternehmensstrategien zu regulieren und Unternehmen zu gestalten. Verbote unerwünschter Handlungen stellen Eingriffe und Überregulation dar. Der Staat verfügt autoritär und mitunter absolut über die Auslegung von Gut und Böse. Das Selbstverständnis des Staats vollzieht insgesamt eine grundlegende Erweiterung. Auch bis dato lediglich von Diktatoren, Monarchen und religiösen Oberhäuptern ausgeübte Einflussnahme wird zur Angelegenheit des Staates. Zusammenfassend greift der Staat in Meinungs- und Handlungsfreiheiten ein. Derartige Eingriffe in alltägliche Gestaltungsprozesse unterbinden natürliches Erkunden, Ausprobieren und ebenso menschliche Entwicklung.

Kein politischer Konsens hat Menschen zu diktieren, was sie innerhalb des juristischen Rahmens  zu tun haben. Moralisch-ethische Selbstbestimmung und Handlungs- und Meinungsfreiheit sind Rechte jedes einzelnen Menschen. Politisch und juristisch gesehen ist die Entscheidung für unpopuläre, vermeintlich „nicht erwünschte“ Unternehmensgestaltung legitim. Weder haben Anbieter die Pflicht, ethisch wertvolle und wünschenswerte Angebote und Produkte anzubieten, noch werden Alltags- und Handelsräume durch öffentlich-staatlichen Einfluss gestaltet. Es ist keine politische, pädagogische oder überhaupt von öffentlicher Hand zu leistende Aufgabe, Verhaltens- und Handlungsvorschriften zu erteilen. Anlegen von Gewinnen, Organisation, Strukturierung und Gestaltung des Unternehmens ist Sache der Unternehmer.  

 

In der fortschrittlichen Welt wird auf ungerechte Handlungen gezeigt. Ethisch-moralische Wertvorstellungen sind zur Hand und mitunter wird Regulierung eingefordert. Es liegt nicht an der Politik, anzuordnen, sondern es ist Sache der Menschen, zu verstehen: Ungerechtigkeit und Handel, die Ungerechtigkeit, die sich durch die Geschichte aller Länder zieht, und seit jeher die fragliche Gestaltung von Handel, sind nicht voneinander zu trennen. Während die grundlegenden Fragen nach dem Ungleichgewicht nicht gestellt bleiben, können Menschen sich entscheiden, öffentlich Missstände zu hinterfragen. Allerdings ändert sich nichts, wenn ethisch-moralische Fragen grundlegend thematisiert und blinde Flecken lediglich zum Thema gemacht werden. Extreme Folgen des Ungleichgewichts als auch Ungleichgewicht und Abhängigkeitsbeziehung werden nicht weiter akzeptiert. Erforderlich ist es, im alltäglichen Leben praktisch dagegen vorzugehen.  

 

Während sich in der Geschichte Demokratie und Rechtsstaat etabliert haben, hat sich jener für die freie Gestaltung erforderliche, tragfähige juristische Rahmen entfaltet. Die Gestaltung des Lebens umfasst zugleich eine relevante Einflussmöglichkeit. Heute gilt es, sowohl den Rahmen zu schützen, als auch in diesem Rahmen Einflussmöglichkeiten und Handlungsräume zu nutzen sowie Unternehmen und Leben zu gestalten. Das Engagement in politischen Auseinandersetzungen und die Einflussmöglichkeiten des Alltags sind nicht voneinander zu trennen. Derzeit werden Einflussmöglichkeiten auf fragliche Unternehmensgestaltung und sonstige Praktiken allgemein zu wenig genutzt. Erst wenn jene blinden Flecken grundlegend hinterfragt werden, können Handlungsmöglichkeiten zukünftig genutzt werden. Ganzheitliches Gestalten heißt, sowohl Produkte ökologisch und fair zu bewerten, als auch grundlegend Ausrichtung und Gestaltung des Unternehmens zu hinterfragen. Verstehen und durch die gelebte Entscheidung gestalten. Während bereits allgemeine Standards an einzelne Produkte angelegt werden, stellt die  grundlegende Gestaltung des Unternehmens weiterhin eine Grauzone dar.