Weltweite Ungerechtigkeit – allgemeines Verständnis

Abhängigkeit und Ausbeutung in Arbeit und Beruf oder beispielsweise Misshandlung und Unterdrückung in zwischenmenschlichen Beziehungen stellen – nicht anders als die vielschichtigen Folgen von Kapitalismus und Monopolismus – unterschiedliche Formen von Ungerechtigkeit und Verbrechen dar.


Vielfältige Ausformungen und Gesichter von Ungerechtigkeit finden sich seit den Anfängen des Abendlandes. Ungerechtigkeit und Verbrechen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte einzelner Länder und Nationen. Als solche immer wieder unterschiedlich wahrgenommen, werden Ungerechtigkeit und Verbrechen immer schon weltweit bekämpft. Friedlicher Widerstand, Ohnmacht und bewaffneter Kampf haben ebenso Narben zurückgelassen wie auch Verbundenheit erzeugt. Formen und Inhalte der Auseinandersetzungen haben sich gewandelt oder sind gleich geblieben. Gleich geblieben sind – sowohl heute als auch damals – die Ausgangssituationen, in denen sich engagierte Menschen und Freiheitskämpfer befinden. In den Vorstellungen eines friedlichen Miteinanders haben Ungerechtigkeit und Verbrechen keinen Platz.


Heute versteht sich das Weltsozialforum als „ein Instrument zur Förderung der Konvergenz von menschlichen Energien und Lösungen für die Schaffung einer anderen Welt“. Betreffend des Selbstverständnisses und speziellen Positionierungen sind Ziele bezüglich Arbeit und Handel damals wie auch heute insgesamt gleich und lassen sich wie folgt skizzieren:

 

1. Erhalt von Qualität (Massenabfertigung)
2. Stabilität des regionalen Handels
3. Keine Risiken durch Spekulationsgeschäfte
4. Faire Einkommen / Arbeitsbedingungen
5. Loslösung aus Abhängigkeiten / entsprechende Marktstrukturen
6. Kein Mensch soll über den anderen herrschen
7. Keine Ausbeutung von Menschen

 

In der medialen Welt der Gegenwart protestieren Menschen gegen Not und Ungerechtigkeit. Meist wird friedlicher Widerstand geleistet. Einzelne Vorfälle wecken zeitnah das Interesse einer breiten Öffentlichkeit. Manchen speziellen Einzelfällen fällt längerfristig eine symbolische Bedeutung zu. Mahnmale und Denkmäler erinnern, das kollektive Gedächtnis verbindet Menschen über Ländergrenzen und Generationen hinweg.
Jahrhunderte nach der Aufklärung engagieren sich immer mehr Menschen und leisten praktische Hilfe. Statt Ungerechtigkeit und Verbrechen distanziert zu bekämpfen, werden vor Ort Menschen unterstützt. Aktiv wird gegen Ungerechtigkeit vorgegangen. Es besteht kein Zweifel, dass sich Verbrechen und auch Ungerechtigkeit nicht wiederholen dürfen. Gegen jegliche Form von Ungerechtigkeit wird ein Zeichen gesetzt. Gleichzeitig wird die rechtskräftige Verankerung der demokratischen Rahmenbedingungen von Demokraten/Innen bis hin zu Freiheitskämpfer/Innen verteidigt. Auch wenn sich jene Bewegung(en) nicht als einheitliche Bewegung versteht, gibt es gute Gründe, den Zusammenschluss von kleinen und größeren Gemeinschaften als wahrscheinlich größten Erfolg zu verstehen: als gemeinsame Identität. Das Erleben des Ungleichgewichts und das gemeinsame
Engagement verbindet heute wie damals Menschen. Solange Ungerechtigkeit und Verbrechen weiter Bestand haben, sind die gemeinsamen Ziele nicht erreicht.


Der Ansatz von Marogal rückt nicht Ungerechtigkeit und Verbrechen ins Zentrum, sondern zielt auf alltägliche und zugleich als normal verstandene Praktiken ab. Im Alltag stellen Gehälter von Chefmanagern und begrenzte Aufstiegsmöglichkeiten nichts Außergewöhnliches dar. Auch die unbeantwortete Frage, wer überhaupt von der Globalisierung profitiert, und der Umstand, dass eine einzelne Person an einem Tag mehr als ein Angestellter in einem Jahr verdient, gehören dazu. Der Fokus wird vom Kampf gegen Ungerechtigkeit abgewandt. Unabhängig von üblichem Engagement und Hilfsaktionen werden alltägliche und grundlegende Missstände fokussiert. Hier wird nicht auf Ungerechtigkeit und Verbrechen gezeigt. Hier wird ein tatsächliches Ungleichgewicht thematisiert, das als Ungleichgewicht unhinterfragt besteht und immer schon als normal verstanden wird. Tatsächlich haben sich Menschen an ungleiche Verteilung von Gewinnen und Einflüssen gewöhnt. Marogal fragt kritisch weshalb sich das Engagement auf den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Verbrechen begrenzt. Im Streben nach Gerechtigkeit und anderen hohen Werten kämpfen und bekämpfen sich mitunter Nationen, Religionen, Andersgläubige, Konservative, Unterdrücker, Unterdrückte, Terroristen, Minderheiten, Ausländer, Männer und Frauen, während allerdings das grundlegende Ungleichgewicht unangefochten bestehen bleibt.