Das klassische Verständnis von Handel

1  Ungleiche Verteilung als Charakteristika des klassisches Verständnisses von Handel

Charakteristisch für das klassische Verständnis von Handel ist die einseitige Aufteilung von Gewinnen bzw. die ungleiche Verteilung von Einfluss und Vermögen.

 

Die ungleiche Verteilung von Gewinnen ist normaler Teil gängiger Praxis und findet allgemein nicht weiter Beachtung. Über die erwirtschaften Gewinne verfügen lediglich Gesellschafter und Unternehmer. Die Gewinne werden jedoch von allen Mitarbeitern erwirtschaftet. In der Satzung des Unternehmens werden Gesellschafter benannt und ihr Einfluss und Status festgehalten. In der
Unternehmensstruktur können für beispielsweise ranghöchste Manager eine Sonderstellung und ein spezielles Einkommen vorgesehen sein. Meist begünstigen jene Regelungen diese wenigen Nutznießer, die anders als übliche Angestellte und Mitarbeiter einen Sonderstatus haben. Deren Funktion ist es, zugewiesene Aufgaben zu erledigen und zum Ausbau der Gewinne ihren Teil beizutragen. Die eigentliche Profitabwicklung vollzieht sich im Hintergrund – jenseits des Einflussbereichs und hinter den Rücken der tatsächlichen Produzenten der Gewinne.

 

Nach dem Verständnis von Unternehmern und Managern sind Risikoinvestitionen einerseits notwendig und andererseits geht dies mit belastender Übernahme von Verantwortung einher. Diesen werden spezielle Fähigkeiten, Leistungen und Talente abverlangt, die zugleich außergewöhnliche Gehälter begründen.


Mitunter werden Investitionen zur Gewinnmaximierung als notwendig verstanden. Im Falle der, an die Finanzkrise 2007 anschließende, Wirtschaftskrise musste mitunter die breite Masse für die Schäden aufkommen.

 

 

2 Gewinnmaximierung und andere Strategien
Das Streben nach Gewinnmaximierung kommt primär dem Einfluss von Unternehmern und Managern zu Gute. Gewinnmaximierung dominiert als komplexes Funktionsprinzip weitestgehend die Arbeitswelt und wirkt sich auf das alltägliche Leben aus. Da nahezu alle beruflichen Handlungsprozesse entsprechend ausgelegt sind, ist auch vom Diktat der Gewinnmaximierung die Rede. Erfolgsund Leistungsdruck prägen einen Dauerzustand, der mit einem final-funktionalen Bewusstseinszustand assoziiert wird. Fortwährendes Streben nach Aufgabenerfüllung bedeutet, das nächste Ziel bereits dann anzupeilen, wenn vorangehende Handlungsschritte aktuell noch abgeschlossen werden. Ebenso funktional sind meist auch Unternehmensstrukturen entsprechend dem Prinzip der Gewinnmaximierung ausgerichtet.

 

Andere Unternehmen werden als Konkurrenz auf dem Markt verstanden.

 

Weitestgehend sehen Unternehmensstrukturen eine spezielle Trennung, Gliederung und isolierte Abwicklung von einzelnen Arbeits- und Produktionsschritten vor. Produktion und Vertrieb, sowie einzelne Abteilungen in voneinander losgelöste Einheiten getrennt. Die Abgrenzung spezieller Arbeitsschritte ist ebenso wie differenzierte berufliche Spezialisierung normal. Begrenzt ist ebenfalls die Einfluss- und Handlungsreichweite einzelner Mitarbeiter. Spezialisten fokussieren in unterschiedlichen Arbeitsbereichen ihre spezifischen Teilbereiche. Außerhalb des Zuständigkeitsbereichs verkümmern naheliegende Fragen sowie komplexe Einsichtnahmen und das Verstehen von grundlegenden Zusammenhängen. Problemanalysen suchen anhand von
Störungsmodellen nach Erklärungen für unzureichende Erträge.
In spezifischen Arbeitsbereichen werden sowohl Antworten, als auch Verantwortliche gesucht und gefunden. Konsequent werden im Teilbereich Probleme behoben.

Systemische Darstellungen bilden das defizitäre Wirtschaften einer Abteilung und Folgen für das ganze Unternehmen ab. Ebenso überzeugend wie die Folgen, welche der Flügelschlag eines Schmetterlings am anderen Ende der Welt für unser Wetter hat, werden detailliert die Auswirkungen eines kleines Defekts oder Versagens dargestellt.


Im Rahmen des Qualitätsmanagements ermöglichen DIN- und andere Normenkataloge die Umsetzung aktueller und bewährter Qualitätskriterien. Selbstbeobachtungsprogramme, Zielerreichungsskalen und Weiterbildung tragen zur Qualitätssicherung bei. Exakt ermittelte und überprüfbare Informationen liefern Hinweise über die Funktionalität von Arbeitsprogrammen. Weiterbildungsnachweise, Umsetzung von Qualitätsstandards, Transparenz jeglicher Arbeitsschritte und Qualitätsmanagement
sind (ausschließlich) für Angestellte und Arbeiter vorgesehen. Nicht vorgesehen ist die Einsichtnahme in Finanzbücher und das Offenlegen grundlegender Bezüge.


Ausbildung heute besticht durch die Vielfalt beruflicher Möglichkeiten. Die Untergliederung der Lerninhalte in einzelne Module macht die Ausbildung als solche kompakt und übersichtlich. Ebenso transparent und einsehbar ist die Organisation der Aufgaben. In einer vernetzten Welt ist der Wechsel von Studien- und Ausbildungsorten ebenso wie der Austausch einzelner Angestellter in andere Filialen, möglich.

 

Ein Experte ist ein Experte in einem isolierten Teilbereich. Allgemein wird Wissen in Fakultäten, Wissenschafts- und alltägliche Bereiche aufgeteilt. Auch im sogenannten Allgemeinwissen steht spezifisches Faktenwissen im Vordergrund. In Berufs- und Arbeitswelt ist es normal „den Fokus auf das Detail zu richten“. Allgemeinverbindliche Anwendungspraktiken postulieren weder Wahrheiten noch wird Richtigkeit garantiert. Für einzelne Personen liegt es nahe mitzumachen. Zusammenarbeit im Team gewinnt mitunter spielerische Züge. Die neue Leichtigkeit hat wenig mit früherer Anpassung gemein. Wenn von operationalisierten Arbeitsprozessen und der Perfektion der Produktion die Rede ist, haben Sorge und andere Störungsfaktoren keinen Platz. Vielmehr beflügeln Dynamik, mentale Ausgeglichenheit und andere Konzepte und Inhalte dazu, auch im Alltag das möglichst Beste rauszuholen. Ein wissenschaftlich geprägtes Verständnis legt es nahe, über Inhalte jenseits der abgesteckten Welt besser zu schweigen.

 

 

3 Einfluss des weltweiten Handels, politische Einflussnahme: Der Mensch der Gegenwart
In der Gegenwart entspricht der weltweite Handel dem klassischen Verständnis von Handel. Nicht vom klassischen Verständnis von Handel zu trennen ist die ungleiche Verteilung von Gewinnen und Einflüssen. Weltweit wird natürlicher Handel verhindert und grundlegend jegliches menschliche Leben beeinflusst und beschnitten.
Das klassische Verständnis von Handel beruht auf jener Abhängigkeitsbeziehung, die sich wie ein rotes Band durch die Geschichte zieht. Trotz demokratischer Ansätze in der Gegenwart übt ein kleiner Anteil der Weltbevölkerung nachhaltigen Einfluss auf die große Mehrheit aus. Die Abhängigkeitsbeziehung ist insbesondere als Beziehung zwischen Herr und Knecht bekannt geworden (vgl. Friedrich Hegel und Thomas Müntzer).
Seit den sechziger Jahren und den letzten Jahren kommt es zu verändertem und mitunter zunehmendem politischen Einfluss. Aktuell geht der Umgang mit dem Thema „Terrorismus“ allgemein mit Verunsicherung einher. Mehrfach wird der Wunsch nach verstärkter politischer Einflussnahme und Sicherheit laut. Wertedebatten werden ebenso eingefordert wie auch der Ruf nach Gerechtigkeit zu vernehmen ist. Die Vorzüge und mitunter die Notwendigkeit des Ausbaus politischer Handlungsmöglichkeiten werden in der medialen Öffentlichkeit diskutiert. „Vermögens-“ und
Transaktionssteuer“ sind ebenso wie „regulierender Staat“ Schlagworte.

 

 

4 Freiwilligkeit, Einfluss, Interessen – Einfluss des einzelnen Menschen
Täglich nimmt jede Einzelperson am Handel teil. „Am Handel teilnehmen“ bedeutet, die Möglichkeiten anzunehmen, die vom klassischen Handelsmodell bereitgestellt sind. Tatsächlich ist lediglich die Möglichkeit, das Ungleichgewicht zu unterstützen gegeben. Alternative Handlungsmöglichkeiten existieren nicht. Es ist einerseits unumgänglich, freiwillig mitzumachen, und andererseits ist es unumgänglich, durch das Mitmachen das Ungleichgewicht zu fördern. Aktueller Handel und das klassische Verständnis von Handel werden damit permanent und damit von jedem legitimiert. Während die Normalität unhinterfragt bleibt, wird eine theoretische Abhängigkeitsbeziehung längst postuliert.
Das Spektrum jener einzelnen, mitunter sich in Parteien positionierenden Menschen, umfasst u.a. die aktuelle Verunsicherung als auch das Erleben der Ungerechtigkeit. Kollektive und einzelne Vorstellungen reichen von einer (mitunter Sicherheit) einfordernden Haltung bis zum engagierten Widerstand und Kampf. Verunsicherung und Erleben des Ungleichgewichts verleihen Menschen das Gefühl, unschuldig falsch behandelt zu werden. Während am einen Ende des politischen Spektrums mehr Unterstützung eingefordert wird, werden Themen und Inhalte eindeutiger umrissen. Indem der eigene Standpunkt gegen das andere Ende des Spektrums vertreten wird, wird der anhaltende politische Austausch aufrechterhalten. Obwohl das Engagement derselben Person weitestgehend politisch ist, sind sowohl Ungleichgewicht als auch Ungerechtigkeit und Verbrechen in großen Teilen jedoch Folgen des Handels. Wiederum nimmt dieselbe Person an eben jenem unhinterfragten Handel teil. Die einhergehende Tragik, dass die Person durch die Teilnahme am Handel das Ungleichgewicht fördert, wird meist nicht erkannt. Mitunter ist auch Leistungsdenken im Alltag mit dem Kampf gegen Ungerechtigkeit in der Welt vereinbar. Mitunter macht tägliche Arbeit zufrieden, die – als Pflicht und seltener als Quell von Stress verstanden – gewöhnlich auch nicht hinterfragt wird. Von Interesse ist der Protest gegen Ungerechtigkeit und Verbrechen.


Keineswegs mangelt es den einzelnen Wissenschaften an kritischen und wissenschaftlich fundierten Ansätzen. In der Praxis wird engagiert gegen Datenmissbrauch durch Soziale Netzwerke Widerstand erhoben und Gewerkschaften kämpfen für verbesserte Arbeitsrechte. Die Liste der einzelnen Ansatzpunkte ließe sich problemlos weiter ausführen. Während sich Widerstand und Engagement innerhalb der einzelnen Themenbereiche vollziehen, bleiben themenübergreifende, gemeinsame Grundlagen unbeachtet. Mitunter gelingt es, staatlich-politische Einflüsse zu vergrößern, die Welt sicherer zu gestalten oder neu definierte Werte umzusetzen. Von der Politik wird mehr Sicherheit oder (kämpfend) erweiterter Einfluss gefordert: Insgesamt wird innerhalb der Abhängigkeitsbeziehung nicht nach den Gründen für die Abhängigkeitsbeziehung gefragt. An der grundlegenden
Ungerechtigkeit ändert sich infolgedessen nichts.

 

Mediale Darstellungen stellen detaillierte Informationen bereit und versuchen mitunter den vielfältigsten Perspektiven gerecht zu werden. Insbesondere bei der Berichterstattung von Nachrichten wird bei den einzelnen Themen ein Experte oder Politiker zur Seite gestellt. Tageszeitungen und andere Medien berichten regelmäßig und liefern einen aktuellen Überblick über weltweite Konflikte und Auseinandersetzungen. Nachrichten aus aller Welt und neueste Ereignisse werden thematisch angeschlossen. Mitunter beziehen sich Inhalte innerhalb sich vage abzeichnender Zyklen aufeinander. Neben diesen Zeiträume prägenden aktuellen Themenkomplexen ist Berichterstattung und das Wirken der Politiker auf die Wahlperioden ausgerichtet. Insgesamt werden die wichtigsten Veränderungen und Fakten zusammengetragen und an die Geschichtsschreibung angeschlossen. Aktualität und historische Bezugnahme bringt fortlaufend einen Diskurs und unterschiedlichste Positionierungen hervor, indem die Ausgangssituationen unhinterfragt Bestätigung finden.


Themen in der medial-gesellschaftlichen Welt und eigene Themen sind problemlos miteinander kompatibel. Mitunter zeichnet sich der Wechsel vom einen zum anderen Thema, das geschickte Einwerfen von speziellen Themen und das gezielte Einlassen und Analysieren in ausgewählte Themen durch Leichtigkeit und besondere Stärke aus. Die einzelne Person grenzt sich „selbstsicher“ gegenüber unerwünschten Inhalten und Gefühlen ab, bzw. legt persönliche Themen und sich als Persönlichkeit unzweideutig fest. Innerhalb der Interessengrenzen wird Sinn festgemacht. Gemeinsame Inhalte und entsprechendes „Verstehen“ bzw. Begreifen haben sich bewährt, sind historisch gewachsen.